Wenn ich bei meinen Eltern bin und sie auch Zeit habe, mag ich Ausflüge nach Polen ziemlich gern. Auch wenn die wenigsten von euch aus der Nähe des “Ostblocks” kommen, wollte ich von unserem heutigem Ausflugsziel berichten, vielleicht verschlägt es auch ja mal in die Gegend.
Das Palmenhaus (Palmiarnia) ist (unter anderem) ein Restaurant in Zielona Góra. Ein großer Glaskasten auf einem Weinhügel – absolut nicht zu verfehlen!
Das Klima im Haus ist zwar palmengerecht, aber absolut nicht so unangenehm wie in den Tropenhallen, die man so aus Zoos kennt. Die Plätze des Restaurants befinden sich im Erdgeschoss, wo man unter Palmen sitzt.


Erfahrungsgemäß sind Essen in Polen sehr lecker und sehr, sehr mächtig. Ich hatte Penne in Erdnusssauce gewählt und hätte als Dessert liebend gern noch süße Birnenmousse mit Zitronensorbet gehabt – aber nach dem Hauptgang war absolut kein Platz mehr!

Man gönnt sich ja sonst nichts – alkoholfreier Cocktail zum Mittag.

Ich hatte Weintrauben auf meinem Essen. Überhaupt gab es sehr viele “exotische” Gerichte mit Obst, aber auch bodenständige, klassische Küche.
Für drei Hauptgerichte, drei Getränke und einen Kaffe haben wir insgesamt 121PLN gezahlt – das macht je nach Wechselkurs etwa 30€.
Und was kann man in Zielona Góra noch machen?
Shoppen gehen. Die Stadt hat mehrere große Einkaufszentren, direkt neben dem Palmenhaus liegt der Focus Park. An die Mode- und Schmink-Mädchen: Es gibt dort unter anderem auch eine Inglot-Filiale.
Die Stadt hat auch mehrere Museen. Ganz Spontane können sich auch erst vor Ort einen Prospekt schnappen und spontan entscheiden, was er sich ansehen möchte.
Es war auf jeden Fall nicht mein letzter Besuch dort!
Dass ich hier wirklich in die Tiefen meines Studiums gehe, ist wirklich selten. Aber das ist jetzt etwas, das mich seit sechs Semestern aufbringt und wozu ich gern auch andere Meinungen hören würde.
Seit der Einführung in die romanistische Sprachwissenschaft ist es da: Geschlechtergerchtes Schreiben. Und seit Oktober 2008 nervt es mich.
Geschlechtergerchtes Schreiben ist hässlich.
Sämtliche Binnenvarianten sind unschön. “LiebeR Christin” stand schon in der 9. Klasse auf der Einladung zur Kreis-Matheolympiade – ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass man Serienbriefe aus Datenbanken auch ohne Binnenschreibweise generieren kann. “… die SchülerInnen” – dieser Großbuchstabe im Wort macht es kaputt.
Binnenvarianten sind nicht immer möglich: “Das Selbstkonzept des Schülers” – macht da mal eine Binnenvariante draus.
Dann gibt es noch die Möglichkeit, 100 Klammern und Schrägstriche in den Satz einzubauen, damit am Ende niemand mehr durchblickt.
Es ist zwar ästhetischer, aber auf keinen Fall “gerechter”, beide Formen nebeneinander auszuschreiben. Man einige sich für den gesamten Text bitte auf eine Reihenfolge. Eins der beiden Geschlechter muss also als zweites genannt werden – 50% der Bevölkerung dürfen sich dann also diskriminiert fühlen.
(Das kleine Wörtchen “man” ist übrigens auch diskriminierend.)
Der Witz bei der Sache ist ja aber: Solche kleinen Ungerechtigkeiten sind in unserer Sprache angelegt.
Worüber sich die meisten Feministinnen ereifern –  und dieses Beispiel kommt in einem ausreichend langen Gespräch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: “der Jugen und sein Hund – das Mädchen und sein Hase” Erst bekommen weibliche Kinder ein neutrales Wort zugeschoben und dann dürfen sie auch nicht die weiblichen Possesivpronomen benutzen. Sprachgeschichtlich ist das natürlich kurz abgerissen: “Mädchen” ist die Verniedlichung bzw. Verkleinerung von “Magd”, sämtliche Diminutive stehen im Deutschen im Neutrum. Und nein, es ist nicht wahnsinnig, wahnsinnig, wahnsinnig ungerecht von der Sprachgeschichte, dass weibliche Kinder mit der Verkleinerungsform einer niederen Bediensteten bezeichnet werden – “Frau” (bzw. vrouwe) war im Mittelalter  ausschließlich dem Adel vorbehalten, da gleicht es sich ja irgendwie wieder aus.
Was ich in dieser Debatte jedoch noch nie gehört habe: Das Kalb – Die Kälber. Das Buch – Die Bücher. Der Mann – Die Männer. Merkt ihr was? Ausgerechnet das “männlichste” Wort der deutschen Sprache hat ein neutrales Deklinationsmuster angenommen. Aber klar, würde ein Mann das in einer Debatte über geschlechtergerechte Sprache anbringen, stünde er als Macho da. Der vermeintlich Stärkere darf sich nie verteidigen.
Geschlechterunterschiede lassen sich in Texten kaum elegant lösen.  Deswegen verstehe ich nicht, warum man sich so verbissen gegen das generische Maskulinum wehrt. Entscheidend ist bei Sprache doch nicht nur, was exakt gesagt wird, sondern wie es aufgefasst wird.
“Weißt du, wie spät es ist??” – Auf die Frage antwortet fast jeder mit der Uhrzeit – kaum jemand antwortet mit Ja oder Nein, obwohl wortwörtlich ja eigentlich danach gefragt war. Man weiß, was der andere möchte. Und genauso weiß man doch bei der Aussage, dass die Schüler immer unruhiger werden, dass damit die gesamte Schülerschaft gemeint ist und nicht nur dezidiert die Jungen!?
Vor allem aber fühle ich mich als Frau durch die ewige Doppeltaufzählung auch nicht besser. Schon gar nicht, wenn ich beim Schreiben dazu gezwungen werde. Ich finde, dass auch das eine Art von Bevormundung ist. Jetzt unterdrücken mich zwar keine Männer mehr, aber andere Frauen mit ihrer Meinung, wie die Welt sein sollte… Leichter macht das die Situation wirklich nicht!
Daher die allgemeine Frage: Genereisches Maskulinum. Pro, Kontra, wieso, weshalb, warum? Wie sieht ihr das? Wie handhabt ihr es in Texten?
30. Juli 2011 in L-eben, Wandgeschichten
Weil ich zur Zeit nichts anderes mache als klettern und Unikram und gerade zu faul bin, Bilder von Buchcovern rauszusuchen… Ja, irgendwann werde ich auch wieder andere Themen anschneiden.
Kennt ihr diese Tage, an denen nichts so richtig klappen möchte?
In der Kletterhalle war es heute krachend voll. Gut, es ist Samstag – aber an anderen Samstagen war es nicht so voll. Dem entsprechend war es auch etwas lauter als mir beim Klettern lieb ist.
Beim Warmbouldern verabschiedete sich der Tape-Verband, der eigentlich die kleine Schnittwunde an meiner Handfläche schützen sollte.
Die ersten zwei Züge meiner einen Ziel-Route klappten fabelhaft – nach dem dritten Zug landete ich auf den Matten, weil der Griff locker war. Und leider war es so einer, den man nicht irgendwie geschickt umgehen kann, die Route war damit nicht mehr steigbar.
Wechsel in den anderen Boulderraum. Die Routen lassen sich zwar steigen, die Tagesform ist aber absolut grottig und ich krampfe eigentlich nur an der Wand entlang. Es ist übrigens auch dort unglaublich voll, laut und stickig.
Kurzer Blick in den dritten Boulderberich: Ebenfalls überfüllt.
Zurück in Boulderraum 1, Rantasten ans Krafttraining am Fingerboard. Beidarmiges Blockieren – klappt nicht, zu schwach. Exzentrisches Krafttraining – klappt nicht im erwünschten Umfang, zu schwach. Klimmzüge im Schrägliegehang – denkt euch euren Teil.
Umkleidekabine. Irgendwelche Mädels lassen die Tür sperrangelweit offen stehen (Anmerkung: Männer müssen zwangsweise an der Damenumkleide vorbei, wenn sie sich umziehen wollen – und ich stand in dem Moment nur in Höschen und T-Shirt da), auf meinen Hinweis “Türen kann man übrigens auch schließen.” hin werde ich angebitcht.
Falls ihr dachtet, dass mir der Tag bis dahin nicht irgendwie schon den Rest gegeben hätte:
Beim Verlassen der Halle steht mir ein Typ im weiß-rosa Häschenkostüm - laut riesigem Namensschild hieß er Ronny - mit einer Schere in der Hand gegenüber und sagt mir, ich müsse keine Angst haben, er sammle nur Etiketten von Damenunterwäsche.
Ich werde nun schon allein aus folgendem Grund nicht heiraten: Ich möchte nicht, dass mein potentiell Auserwählter von seinen Freunden bei seinem Juggesellenabschied ebenfalls gezwungen wird, ein weiß-rosa Häschenkostüm zu tragen.
Und ihr so? Was war euer surrealstes Erlebnis der letzten Wochen?

Der Chalkball ist kein Ball mehr, vor 15 Klettersessions war er noch prall gefüllt.
Die Entdeckung von Creme-Deodorant reduzierte den Einsatz des Magnesias zwar tatsächlich drastisch, bei so verdammt schwitzigen und rutschigen Händen wie meinen lässt sich aber leider nicht sehr viel anderes machen als chalken, chalken und noch ein paar Mal öfter chalken.

Das Innenmaterial des Chalkbags ist nicht mehr ganz so schön.

Ein absolutes Mädchen-Chalkbag übrigens. Natürlich passend zur restlichen Ausrüstung (orange Schuhe, Sitzgurt mit orangen Nähten und meist ein pinkes Oberteil). Man wird in Outdoor-Läden übrigens durchaus komisch angesehen, wenn man auf die Frage, welche Kriterien ein Gegenstand erfüllen sollte, mit “Es sollte pink oder orange sein…” antwortet. Aber das ist okay, auch unser Kletterinstruktor hatte sich irgendwann daran gewöhnt, dass ich am liebsten das ATC mit dem pinken Karabiner hatte.
Nicht auf den Bildern: Die unzähligen blauen Flecken, an Knien und Schienbeinen. Die Siegergeste, wenn man sich eine Strecke hart erarbeitet hat und wieder auf dem Boden steht.
Mein größter Anreiz beim Klettern bringt nach wie vor die meisten anderen Kletterer zum Kopfschütteln: Ich finde sehr viele Griffe optisch total ansprechend und möchte sie darum anfassen – folglich muss ich lernen, auch schwerere Routen zu meistern.
Mein persönlicher Rekord beim Schwierigkeitsgrad war bisher eine 5+ (UIAA), mein Ehrgeiz, stetig besser zu werden, ist aber ungebremst.
Der nächste Chalkball wird also ganz sicher gekauft und vielleicht entwickle ich ja – typisch Mädchen – einen Taschentick und kaufe mir noch mehr pinke Chalkbags.
13. Juni 2011 in Küchenzeilen
Letzte Woche hatte ich großen Appetit auf Kladdkaka oder saftigen Brownie-Kuchen, also durchforstete ich das Internet und fand dieses Rezept für veganen Schokokuchen.
Ich backe nicht grundsätzlich vegan, da ich Eier und Butter aber so gut wie nie und Milchprodukte nur in stark begrenzten Mengen zu Hause habe (und letztere ja auch nicht uneingeschränkt genießen kann), ist es für mich bequemer, mit veganen Rezepten zu arbeiten. Weil der Kuchen sehr gefiel und das Rezept so simpel ist, leitete ich daraus einen veganen Grundteig ab.
Ihr braucht:
250g Zucker
280g Mehl
1 Päckchen Backpulver
100ml neutrales Speiseöl (bei mir ist es Rapsöl)
350ml Wasser
So wird’s gemacht:
1.) Die trockenen Zutaten in einer Schüssel mischen.
2.) Öl und Wasser abmessen und unter die trockenen Zutaten geben.
4.) Den Teig in eine Form geben (ich persönlich nehme statt eines Backblechs eine kleine Auflaufform, es gehen auch andere flache Formen.)
3.) Den Kuchen bei 160°C (Umluft) etwa 50min backen.
So kann man variieren:
- Für Schokokuchen einfach 40g Kakaopulver dazugeben.
- Limoncello, Amaretto und andere Klassiker aus der Hausbar eignen sich zum Aromatisieren.
- Schokostückchen, Nüsse und TK-Obst (zum Beispiel Himbeeren und Kirschen) können in den Kuchen eingebacken werden.
So kann’s am Ende aussehen:

Schokokuchen mit Kirschen.
(Ja, die kleine Christin hat neulich eine fancy App für Bild-Effekte im Android-Market gefunden.)
Der Kuchen wird wirklich sehr saftig und weich (was ich mir ja auch so gewünscht habe). Ich bin im Moment noch dabei, etwas mit Temperatur und Backzeit zu experimentieren. Wenn ihr TK-Obst einbackt, wird der Kuchen um das Obst herum ziemlich teigig. Die Höhe der Backform solltet ihr großzügig abschätzen, da der Kuchen beim Backen stark aufgeht. Für verspielte Backformen mit lustigen Details ist der Kuchen eher ungeeignet, weil er sich nicht unbeschadet daraus lösen lässt.
Wenn ihr euch einfach nur einen saftigen Kuchen ohne viel Zauberei und exotische Zutaten wünscht, ist dieser wirklich perfekt!
Wie hier zu lesen war, gehörte ich in meiner Schulzeit nicht zu den Top-Sportlern. Das ist freundlich ausgedrückt. Ich gehörte zu den Schülern, die zuletzt in Mannschaften gewählt wurden, dafür aber mit als erstes angenölt wurden, wenn ein Spiel mal nicht so gut lief.
Wer aufmerksam meine Tweets liest, dürfte wissen, dass ich mich nicht meinem vermeintlichen Schicksal überlassen habe und in diesem Semester eine Schlüsselqualifikation an der sportwissenschaftlichen Fakultät belegt habe.
Wir haben ein Mal pro Woche eine praktische Übung. Ich gehöre nicht zu den Schlechtesten im Kurs. Ganz im Gegenteil: Montag probierten wir uns im Kraftausdauertraining aus. Acht Mädchen. Beim Liegestütze-Pyramidentraining wagte sich neben mir nur noch eine weitere Kommilitonin an richtige Liegestütze, alle anderen Mädels fingen direkt mit Frauenliegestützen an.
Außerdem belege ich in diesem Semester einen Toprope-Kletterkurs.
Heute stand als erstes Sturztraining auf dem Plan: Die Wand hochklettern, sich vom Sicherer Seil ausgeben lassen und dann einfach loslassen. 1 bis 2m Fall, bis man hängt. Wieder an die Wand, wieder hoch, mehr Seil ausgeben lassen, 3 bis 4m Fall.
Anschließend war freies Klettern angesagt. Eine Route mit “Felsvorsprung”, den es zu überwinden galt. Technisch an sich nicht besonders anspruchsvoll, aber solche Vorsprünge haben es anfangs ziemlich in sich, was den Kraftaufwand angeht: Aus den Beinen hochdrücken, nach oben greifen, den Griff knapp verfehlen. Wieder versuchen. Noch mal versuchen. Hände chalken, tief durchatmen, wieder hochdrücken, greifen, Griff sitzt, weiter nach oben, Griff umsetzen. Irgendwann hat man auch die Füße über der Kante, die Schlüsselstelle ist geschafft, die Route aber noch nicht ganz bestiegen. Also wieder Kräfte mobilisieren, weiter steigen, bis man die Hände am obersten Griff hat.
Was ich jedem einzelnen, der hier liest, mit auf den Weg geben möchte: Es wird immer wieder Leute geben, die euch vorschreiben möchten, was ihr könnt oder nicht. Hört nicht auf sie. Geht raus. Traut euch was. Macht das, wofür ihr euch interessiert und was ihr für euch richtig findet.
17. Mai 2011 in Arbeitstier
Heute war mein großer Tag: Ich durfte “unsere” 7. Klasse (also die meiner Praktikumsgruppe) in Französisch (2. Lernjahr) unterrichten.
Der Vorbereitung könnte ich eventuell mal einen eigenen Eintrag widmen, weil es da zumindest für mich sicherlich in einiger Zukunft interessant wäre, Unterschiede im Vorgehen zu sehen. Nur so viel: Es war eins der seltenen Wochenenden, an denen man ein Lehramtsstudium tatsächlich mit “Ich studiere basteln!” umschreiben kann.
Den größten Teil meines Arbeitsmaterials habe ich selbst vorbereitet. Alles wurde bereits gestern Abend ordentlich in einer Mappe abgeheftet, damit heute wirklich alles bereit stehen würde. Die Vorbereitung des Klassenraums verlief so weit auch unproblematisch.
Stundenklingeln. Ich schließe die Tür und schaue erwartungsvoll in die Runde. Die Klasse beeindruckt das relativ wenig. Also weise ich freundlich aber bestimmt darauf hin, dass es geklingelt hat und ich gern beginnen möchte. Es kehrt Ruhe ein.
Einstieg ins Lehrbuchkapitel “La cuisine française” Die Schüler haben alle ein kleines Baiser bekommen und ich frage danach, wie sie zu dem Teilchen sagen. Eigentlich ist das ein super Aufhänger für das Thema: Das Wort an sich ist ja französisch, nur sagen die Franzosen selbst zu dieser Art von Gebäck meringue – und man wird in einer französischen Bäckerei durchaus irritiert angesehen, wenn man ein Baiser verlangt. Uneigentlich ist niemandem in der Klasse das Wort geläufig und wahrscheinlich ist mein Erklärungsversuch, weshalb wir uns mit französischen Essgewohnheiten und -besonderheiten befassen sollten, damit auch nicht mehr wirklich überzeugend.
Starten wir also voller Elan in das eigentliche Programm: Im ersten Teil der Stunde sollen die Schüler ganz individuell beim Stationenlernen Wortschatz für sich erarbeiten. Ich erkläre das Prinzip des Stationenlernens, weise auf die Materialien (Arbeitsblatt für die Schüler und Anweisungen an den Stationen) hin, lasse die erste Arbeitsrunde beginnen – und die Schüler basteln Namensschildchen. Nach ca. 3 Minuten habe ich die Klasse dann immerhin so weit, dass sie ihre aktuelle Station bearbeiten. Eigentlich hätte ich zu dem Zeitpunkt schon zum ersten Mal wechseln wollen. Das Prinzip des Wechsels wird auch so überhaupt nicht verstanden. Kritische Blicke von meiner Praktikumsgruppe, der Fachlehrerin und meiner Betreuerin. Ja, als Lehrer stirbt man vorn an der Tafel für sich allein. Ich erkläre es mehrmals auf Französisch und Deutsch, erkläre mein gesamtes pädagogisches Konzept – und endlich tut sich was.
Nach den anfänglichen Turbulenzen verläuft der Rest der Vokabelarbeit reibungslos. Die Schüler bearbeiten eifrig ihre Arbeitsblätter und das auch mit einem hohen Grad an Selbständigkeit.
Für den zweiten Teil der Stunde ist Grammatik angesetzt. Der Teilungsartikel soll erarbeitet werden. Ich liege ein ganzes Stück hinter meiner zeitlichen Planung. Die Schüler arbeiten zwar gut mit, trotzdem verläuft der Teil der Stunde nicht so gut, wie ich es gehofft hätte. Die Erarbeitungsphase hätte ich anders aufziehen sollen, am Ende fehlte massiv Zeit für die Festigung.
In der anschließenden Auswertung wurde meine Zurückhaltung während des Stationenlernes gelobt. Das ist einfach genau das, worauf es bei der Methode ankommt: Die Schüler sollen für sich selbst arbeiten können. Das heißt, dass das gesamte Material so angelegt sein muss, dass das auch wirklich möglich ist. Man sitzt eine Weile bei der Vorbereitung, aber ich mag das wirklich. Mein Ideenreichtum und die Stimmigkeit des Konzepts wurden auch gelobt.
Das, was schief gelaufen ist, konnte mit der Gesamtsituation und mangelnder Lehrerfahrung erklärt werden. Es ist einfach keine 100% authentische Situation. Die Klasse an sich ist zwar real, aber die Rahmenbedingungen sind ganz andere. Als Fachlehrer kann ich eine Klasse über einen längeren Zeitraum an bestimmte Methoden und Arbeitsweisen heranführen – im Praktikum kann ich mit der Wahl meiner Methode Glück haben oder – wie in meinem Fall – eher nicht. Im Laufe des Lehrerlebens nimmt auch die Nervosität ab. Und man lernt, wie eng oder weit man Impulse setzen kann / soll.
Die Stunde sollte uns in erster Linie zum Ausprobieren dienen.
Ich konnte mich vor allem einer Sache vergewissern: Es macht mir unglaublich viel Freude, Materialien zu entwickeln und damit relativ freies, spielerisches Lernen zu ermöglichen. Lehrerzentrierter Unterricht (aka Frontalunterricht) liegt mir weniger, da ich aber auch die Vorteile dieser Methode kenne, werde ich mich da nächstes Jahr bemühen, wenn ich im Fach Deutsch ins Praktikum darf.
Seit der ersten PISA-Studie wird mehr oder weniger regelmäßig an der deutschen Bildungspolitik rumgeningelt und betont, man solle sich doch mal ein Beispiel an den führenden Ländern nehmen. Während Schweden nur die Jahrgangsbesten ins Lehramtsstudium lasse, gelte in Deutschland eher “dumm, dümmer, Lehramt”.
Könnte bitte mal jemand Außenstehendes etwas weiter denken? Guckt euch bitte nicht nur an, wer Lehrer wird. Guckt auch mal an, von wem Lehrer ausgebildet werden!
Beispiel 1: Unsere Seminarleiterin in Fachdidaktik der romanischen Sprachen.
In der ersten Stunde erzählte sie uns, dass sie ja ganze 4 Jahre lang selbst unterrichtet habe. Nach der zweiten Seminareinheit hatten wir sie und ihr Verhalten bereits so weit analysiert, dass uns relativ klar war, warum sie nicht länger selbst unterrichtet hat. An ihrer Sprechweise (Tonfall, Melodie) merkte man recht deutlich, dass sie sich vorn an der Tafel unwohl und unsicher fühlte. Sie hatte uns absolut nicht im Griff. Sie hatte keinen richtigen Plan davon, was sie uns wann wie vermitteln möchte. Das Seminar hieß ironischer Weise übrigens “Einführung in die Planung des Französisch-, Italienisch- und Spanischunterrichts.”
Beispiel 2: Unsere Professorin im gleichen Fachbereich.
Wir bekommen die Präsentation für die Vorlesung pädagogisch mega wertvoll und durchdacht als eine Art Lückentext. Es fehlen also regelmäßig Informationen auf den Folien, die wir dann ergänzen sollen. Dieses Spielchen habe ich schon während meiner Schulzeit gehasst. Während es damals aber nur irgendwelche kleinen Schülervorträge waren, die inhaltlich aus dem Lehrbuchtext und Wikipedia bestanden, ist der Vorlesungsstoff klausurrelevant. Die Vorlesung findet am Montagabend statt, die Präsentation wird in der Regel am Sonntag gegen 23 Uhr ins Netz gestellt.
Ich war diese Woche nach der Vorlesung bei unserer Professorin, um anzufragen, ob es nicht vielleicht möglich wäre, die Präsentation früher hochzuladen, weil ich montags meine erste Lehrveranstaltung um 7 habe (sonntags also dem entsprechend früh ins Bett muss) und dann die ganze Zeit bis zur Vorlesung ziemlich beschäftigt in der Uni verbringe.
Es begann eine Grundsatzdiskussion, die ich hier in ihren Einzelheiten nicht ausführen möchte. Nur so viel: Die Präsi kann natürlich nicht irgendwie früher online gestellt werden, es besteht auch nicht die Möglichkeit, in der Vorlesungs-Präsi erkenntlich zu machen, was ergänzt werden muss, das Problem ist ja einfach nur die Tatsache, dass ich total unflexibel bin, weil ich nämlich nicht dazu bereit bin, morgens um 6 meinen Computer anzuschalten, um Dinge auszudrucken.
Ja, bei uns arbeiten in der Lehrerbildung Menschen, bei denen man auf einen schulischen Kontext bezogen sagen würde: “Kannste doch keinem so anbieten.” Aber mit Studenten kann man’s ja machen.
Lichtblick: Das Praktikum und unsere Betreuerin. Heute durfte ich meine Stundenplanung vorstellen, ich habe konstruktive Kritik und gute Hinweise bekommen. Das Wochenende verbringe ich also bastelnd. Ich werde mich in Stationenlernen erproben.
05. Mai 2011 in Raupensammlung
Aus gegebenem Anlass, nämlich während meines Schweiz-Aufenthalts, gelesen.
Wer mich nicht so gut kennt: Ja, ich studiere Germanistik. Nein, ich bin kein Goethe- und Schiller-Fangirl. Eher im Gegenteil. Da ich als Deutschlehrerin aber früher oder später mal in die Verlegenheit geraten könnte, Goethe oder Schiller behandeln zu müssen, dachte ich mir, ich könnte ihm ja mal eine Chance geben.

Hamburger Lesehefte Verlag, ca. 100 Seiten
Dafür, dass es Schiller ist, fand ich es wirklich gut.
Die Sprache ist relativ verständlich und der Text liest sich flüssig. Unbekannte Begriffe werden in den Hamburger Leseheften im Anhang erklärt, im Zweifelsfall kann man aber auch den Schweizer seines Vertrauens fragen. Sehr süß fand ich es, dass Schiller ganz selten mal versucht hat, ein paar schwiizerdütsche Spracheigenheiten zu übernehmen – es ist aber trotzdem durchgängig klassische hochdeutsche Literatursprache.
Zum Inhalt: Der Stoff ist historisch und wurde nicht nur von Schiller adaptiert, mehr kann und will ich dazu nicht sagen. Ich dachte, das Drama würde zur Zeit des Schweizerkriegs spielen, aber irgendwie liegen fast 200 Jahre zwischen der Szene in der Hohen Gasse und dem Schweizerkrieg. Möchte mich da jemand aufklären?
Vermutlich kam es mir sehr entgegen, dass ich von Geschichte so überhaupt gar keine Ahnung habe. Der weltbeste Schweizer hat sein Bestes gegeben, mich mit kleinen Hinweisen darauf zu bringen, wie das Drama wohl enden wird, ist aber kläglich gescheitert, weil ich auch mit seinen Hinweisen nichts anfangen konnte.
Für mich war das Drama also durch und durch spannend und im Handlungsverlauf eher nicht vorhersehbar. Das hat mir sehr gefallen.
Leseempfehlung? Trotz meiner recht positiven Bilanz: Eher nicht. Wenn man Schiller mag, ist es sicherlich ganz nett. Aber mir hat es vermutlich wirklich nur aus meiner persönlichen Laune heraus gefallen. Ich kann jetzt nicht sagen, ob ich es auch dann interessant gefunden hätte, wenn mir privat nicht etwas an der Schweiz gelegen wäre.
Grundsätzlich bin ich ja sowieso der Meinung, dass man eher Zeitgenössisches lesen sollte, einfach um ein Zeichen zu setzen: In Deutschland hat sich in den letzten 200 Jahren kulturell und sprachlich was getan. Goethe und Schiller sind Ikonen und Sterne einer vergangenen Epoche und haben damit ihren Platz in den Curricula verdient – ewige Vorbilder sollten sie meiner Meinung nach aber nicht sein.
02. Mai 2011 in Küchenzeilen, L-eben
“Christin, was hast du eigentlich deinen Gästen kredenzt?”
Der Appéro:

Ananas-Kokos-Espuma mit Grenadine-Aromadrops. Ganz fancy. Meine Schwester und mein Schwager in spe schenkten mir vor zwei Jahren einen “Chemiebaukasten” für Molekular-Cocktails zum Geburtstag, der nun endlich mal eingeweiht wurde. Die Espuma war muy, muy deliciosa, da war ich selbst überrascht. Meine Aromadrops wollten von der Konsistenz her leider nicht so richtig gelingen, in ihrer Beschaffenheit erinnerten sie mich sehr stark an Froschlaich. Aber lecker war’s.
Und ja, hihi, Glas mit Prinzessin Peach. War ja schließlich mein Prinzessinnen-Tag und das Partymotto lautete “Lasst uns, wir sind süß!”
Die Muffins:

Erdbeer-Schoko-Muffins. Nichts besonders Aufregendes. Heller Muffin-Grundteig mit Schokoladen- und Erdbeerstückchen. Vollmilchschokolade rüber, Herzchen rauf et voilà .
Der Stargast:

Britney ♥ Dieses Jahr übrigens selbst gebacken, damit die Torte farblich zum Motto passt.
Von unten nach oben: Mandelteig, Himbeermarmelade, in Himbeersaft aufgeweichte Butterkekse, Vanillepudding, Himbeer-Sahne-Füllung, Mandelteig, weiße Schokolade, Prinzessinnen-Deko. Ja, ich backe gern Dinge, die einen schon beim Betrachten 4kg zunehmen lassen.
Torten backen muss ich definitiv noch üben. Wie alles andere auch, habe ich die Torte “from sketch” gebacken, mir also in der Zusammenstellung frei ausgedacht. Und da stimmte ein bisschen was leider noch nicht – was aber nur dazu führte, dass die Torte nach dem Anschneiden nicht mehr ganz so klasse aussah. Geschmeckt hat sie trotzdem.