17. Januar 2010 in Arbeitstier
Früher, also als ich gerade in die Sekundarstufe 2 gekommen bin und mir die Notwendigkeit einiger Pflichtfächer einfach nicht bewusst werden wollte (ich habe 10 Tage meines Lebens im Geschichtsunterricht verschwendet), dachte ich immer, dass mit dem Studium alles besser wird und ich da nur noch Dinge tun würde, die mir absolut Spaß machen.
Mittlerweile weiß ich es etwas besser: Auch wenn ich mein Studium eigentlich mag, reißen mich nicht alle Veranstaltungen direkt vom Hocker. Vor allem der Urschleim ist nun mal viel Theorie, die man aber als Grundlage braucht.
Wie hier so ziemlich jeder wissen dürfte, studiere ich aktuell Französisch im 3. und Deutsch im 1. FS. Durch Französisch habe ich bereits etwas Ahnung von Sprach- und Literaturwissenschaft.
Mit den sprachwissenschaftlichen Veranstaltungen bin ich ziemlich glücklich, da verläuft alles ungefähr so, wie ich es gewohnt bin. Die literaturwissenschaftliche Vorlesung finde ich relativ in Ordnung, die Informationen kann ich irgendwie in mein Vorwissen einfügen. Das Seminar… Na ja, sagen wir’s mal so: Ein Flexi-Lineal ist schon eine tolle Sache, ihr glaubt ja nicht, mit welcher Begeisterung ich das Teil 90min in alle Richtungen biegen kann.
Wir hatten die Wahl zwischen verschiedenen Schwerpunktgebieten, ich habe mich für Lyrik und Kurzprosa des 20. Jahrhunderts entschieden, weil ich Kafka und die Expressionisten eigentlich mag.
Das Semester ist fast vorbei und wenn ich mal so durch meine Skripte und Aufzeichnungen zum Seminar blättere, dann muss ich feststellen, dass das – meiner Meinung nach – einfach keine solide Basis für ein weiteres literaturwissenschaftliches Studium ist.
Hätten wir nicht eventuell klären sollen, was ein Text ist? Hätten nicht mal Namen wie Bachtin fallen sollen? Was ist denn mit dem Russischen Formalismus und der literarischen Evolution? Wie können wir über Poesie reden, ohne näher auf die poetische Funktion von Sprache einzugehen?
In gut einem Drittel der Veranstaltungen wurden wir an das “wissenschaftliche Arbeiten” herangeführt. Wir haben gelernt, dass Informationen zu Personen in Personenlexika stehen, während wir Näheres zu Werken in Werklexika finden. Weil solche Begriffe ja auch überhaupt nicht Selbstredend sind. Außerdem haben wir auch mal im Schnelldurchlauf angerissen, wie man zitiert und bibliographiert. Weil Strategietraining im Trockenschwimm-Modus pädagogisch total wertvoll ist.
Mittlerweile arbeiten wir an Texten, ja.
Ab der 8. Klasse sollten wir uns im Deutschunterricht mit Reim, Versmaß und Kadenz auskennen, in der 9. oder 10. Klasse kamen die rhetorischen Figuren dazu, das alles wurde dann in der Oberstufe Halbjahr für Halbjahr abgefragt und bis zum Abwinken durchexerziert, durch meine Leistungskurse habe ich einen Großteil des Stoff auf 3 Sprachen parat.
Es gibt Dinge, die möchte ich im Studium einfach nicht mehr hören. Eigentlich arbeite ich in Seminaren gerne mit. Manchmal sitze ich aber auf meinem Platz, zerbiege mein Lineal und spiele mit dem Gedanken, Fragen mit “Sieht man doch!” zu beantworten.
Am 3. Februar schreiben wir die Klausur, darauf bin ich wirklich gespannt.
Du könntest während deiner langeweileattacken vielleicht alternativ zur linealflexierung die ganzen leeren kategorien im header mit genau dem inhalt fördern, der ja schnellstmöglich folgen will.
Literaturwissenschaft ist ne schwierige Geschichte. Ich fühle mich da immer total unterfordert. Was mir persönlich fast allen Spaß an diesen Veranstaltungen raubt. Deswegen erarbeite ich mir jetzt ein schön großes Textkorpus einfach alleine und lasse die anderen fröhlich Personifikationen suchen.
Und es gibt immer noch Leute, die Stilmittel einfach nicht erkennen oder benennen können. Ein bisschen traurig. Noch trauriger: nur 2 intensive Literaturseminare für Englischlehrer.
Anna
Das ist der große Nachteil am Bachelor. Man muss sich auch mal mit unnützen Veranstaltungen rumplagen und dort seine Zeit absitzen…