02. Juni 2010 in L-eben

6

Weshalb ich schleunigst umziehen möchte…

Diese Woche geht es mir zum ersten Mal so richtig auf den Keks, dass Martin und ich zusammen in meiner 1-Raum-Wohnung leben.

Er hat diese Woche Spätschicht und kommt deswegen immer erst so gegen Mitternacht nach Hause. Normalerweise würde mir das nichts ausmachen, weil ich meistens sowieso so lange wach bleibe. Gestern war mal nicht “meistens”. Der Wecker klingelte 7 Uhr, abends gings zum Karate, das endet 22 Uhr. Ich wäre schon in der Tram auf dem Heimweg beinahe eingeschlafen.
Eigentlich hätte ich direkt ins Bett schlüpfen wollen, mir war aber auch eins klar: Wenn Martin nach Hause kommt, werde ich eh munter. Weil Martin ja Licht braucht und auch nicht ganz geräuschlos durch die Wohnung schleicht. Also wach bleiben.

Ich freue mich schon so auf eine Wohnung, in der Schlafzimmer, Flur und Küche durch Türen und Wände von einander getrennt sind. Martin vermutlich auch, in der vorlesungsfreien Zeit bin ich dann nämlich garantiert die Nachtuele, die den anderen in einer 1-Raum-Wohnung vom Schlafen abhalten würde.

(Wir warten aktuell darauf, den Mietvertrag unterschreiben und dann demnächst irgendwann umziehen zu können.)

22. Mai 2010 in L-eben

5

Einen Iron-Man-Anzug in 38, bitte.

Als ich mir heute früh einen sauberen Pullover aus meinem Kleiderschrank nehmen wollte, musste ich leider feststellen, dass ich mich in letzter Zeit tatsächlich so konsequent vorm Wäsche waschen gedrückt habe, dass es da einfach keinen sauberen Pullover mehr gab. Da es heute aber noch in den Südharz geht und ich da übers Wochenende schon ganz gerne einen Pullover hätte, war ich eben “schnell” in der Stadt.

Es gab Zeiten, da hat es mir wirklich Spaß gemacht, durch Geschäfte zu schlendern und nach dem einen odere anderen schönen Teil zu gucken. Mittlerweile geht meine Laune ziemlich steil gegen Null, sobald ich nur daran denke, dass ich mal wieder irgendwas Neues zum Anziehen bräuchte.

Ehrlich: Die Schnittmenge meiner Vorstellung von bequemer, tragbarer Alltagskleidung und dessen, was die großen Bekleidungsketten als letzten Schrei anbieten, liegt ungefähr bei Null. Ich möchte bitte nichts Verspieltes, Feminines mit “witzigen” Details, sondern Kleidung, in der ich mich frei bewegen kann. Hautfarbene oder geblümte Tops mit geraffter Schulterpartie muss ich gar nicht erst anprobieren, um zu wissen, dass sie nicht zu meinem Typ passen.
Was mich auch immer wieder maßlos nervt, sind die absolut willkürlich zugeordneten Größenangaben. Bei H&M liege ich (bei normaler Passform) zwischen XS und L. Dazu kommt dann noch das sture Nicht-Beachten anatomischer “Besonderheiten”. Kann ja auch keiner ahnen, dass erwachsene Frauen sowas wie Brüste haben. Faszinierend, mit welcher Regelmäßigkeit ich Oberteile erwische, die überall normal oder sogar schon etwas weit sitzen, deren Knopfleiste über der Brust aber fast auseinanderplatzt.

Schlussendlich wurde ich heute in der Sportabteilung bei H&M fündig: Ein Pullover in schrillem taupe grau, ganz trendy “oversized”, meine feminine Seite unterstreicht er total elegant mit Raffungen an der Känguru-Tasche.

Demnächst hätte ich dann gern einen Iron-Man-Anzug. Der geht nicht so schnell kaputt, ich kann ihn bei jedem Wetter tragen, je nach Anlass oder Laune kann er neu lackiert werden und wenn mir langweilig ist, kann ich damit durch die Luft fliegen. (Den zweiten Film fand ich übrigens etwas lasch, auf DVD werde ich ihn mir sicherlich nicht kaufen.)

12. Mai 2010 in L-eben

11

Scheinheilige Pseudomoralisten

Seit Sommer 2003 bin ich Vegetarierin. Punkt. Meine Motive haben sich in diesen fast 7 Jahren ziemlich verändert, Hauptgrund heute: Ich bin der Überzeugung, dass man andere Menschen nicht dazu zwingen sollte, Dinge zu tun, zu denen man selbst nicht bereit ist. Würde ich persönlich ein Tier zum Essen schlachten, ausbluten lassen, häuten und zerteilen wollen? Nein. Also soll das auch niemand anderes für mich tun müssen.
Es gibt auch noch andere Dinge, über die ich mir Gedanken mache (Wirtschaft im globalen Rahmen, Umweltschutz, Gesundheit…), aber das ist eben mein Ding, mir persönlich geht es gut damit.

Das Internet bietet Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Wenn man sich zum Beispiel in diverse StudiVZ-Gruppen einliest, wird man schnell merken, dass Vegetarier und Veganer nicht zwangsläufig gleichgesinnt sind. Wer einfach “nur” kein Fleisch isst, Molkereiprodukte und / oder Eier aber auf seinem Teller duldet, wird da schnell als scheinheiliger Pseudomoralist bezeichnet, der das ja sowieso alles nur macht, um voll im Trend zu liegen und sich vor anderen Menschen aufspielen zu können.
Wenn ich solche Dinge lese, weiß ich nicht, ob ich lachen oder kotzen soll. Ehrlich nicht.

Der generelle Vorwurf: Vegetarier sehen sich als so viel besser als Omnivore, tuen Tieren aber genauso unglaubliches Leid an. Daher: “Lebe glücklich und vegan: Tofu, Soja, Seitan.”

Auf Platz 2 der größten Sojaproduzenten weltweit liegt Brasilien. Dinge, die es außer Anbauflächen für Soja in Brasilien noch so gibt: den Regenwald, darin haufenweise bedrohte Tier-und Pflanzenarten und auch den einen oder anderen indogenen Volksstamm mit einzigartiger Kulturgeschichte und eventuell noch unbekannter Sprache.
Dinge, die in Brasilien bereits ausreichend zerstört wurden und eventuell auch in Zukunft noch zerstört werden, wenn der Bedarf an Soja wächst und größere Anbauflächen benötigt werden: der Regenwald.
Bei Brandrodung leiden keine Tiere. Wenn Lebensraum fehlt, sterben Tierarten auch nicht einfach so aus, sondern kuscheln sich einfach näher aneinander. Ökosysteme sind auch überhaupt nicht komplex oder sensibel. Die indogenen Völker sind sowieso total primitiv und haben keine Zivilisation, die gehören einfach umgesiedelt. So eine Sojaplantage hat auf den CO2- / Sauerstoff-Haushalt der Atmosphäre sicherlich den gleichen Effekt wie Regenwald.

Ich will nicht sagen, dass meine Molkereiprodukte ausschließlich von glücklichen Kühen kommen und die Folgen für Umwelt und Wirtschaft überschaubarer oder geringer sind. Aber ich tue auch nicht so, als hätte ich den perfekten, in allen Situationen moralisch korrekten Lebensstil gewählt.
Wer Soja für das Allheilmittel sämtlicher globalen Probleme sieht und das auch noch in jeder Situation predigt, sollte eventuell erst drei Mal nachdenken, bevor er andere als scheinheilige Pseudomoralisten betitelt.

(Bevor sich jemand angegriffen fühlt: Es gibt natürlich auch Veganer, die einfach friedlich das tun, was sie für richtig halten. Und ja: Es gibt auch Vegetarier, die anderen Menschen ständig vorhalten, wie toll ihr Lebensweg ist. Es gibt immer solche und solche.)

02. Mai 2010 in L-eben

7

It’s Britney, Bitch!

Eigentlich wünsche ich mir jedes Jahr eine große Portion “eigentlich nichts” – leider zieht das in meinem Freundeskreis nicht richtig und irgendwann wird dann auch noch entschieden, dass ich doch zu jung bin für eine Salatschleuder als total abgefahrenes Geburtstagsgeschenk. Deswegen habe ich mir dieses Jahr einfach mal direkt etwas gewünscht: eine große Schokotorte, aus der pünktlich zu Mitternacht Britney Spears oder Lindsay Lohan steigt.

Das wurde dann aus meinem Wunsch:

Schokotorte mit Britney Spears

Äußerst schokoladig und überhaupt und sowieso: Wie geil!?

5 Tafeln Vollmichschokolade, eine Tafel weiße Schokolade, viel Sahne, eine Schicht Marmelade und mehrere Biscuitböden – wirklich unglaublich lecker. Die “Antennen” sind Wunderkerzen. Zu Hause gab es dann von den Berlinern eine Brownie-Torte mit “Lindsay Lohan inside”.

So macht Älterwerden wirklich Spaß.

29. April 2010 in L-eben

5

Doktorspielchen

Letzte Woche Montag kam Kommilitonin W. krank zur Uni. In der Nacht von Donnerstag zu Freitag wachte ich mit starkem Kratzen im Hals auf.
Das gesamte Wochenende lag ich flach und Martin hat sich um mich gekümmert. Dienstag war dann fliegender Wechsel: Während ich gesundheitlich zu etwa 90% fit bin, liegt Martin seitdem schwächelnd im Bett.

Sehr viel interessanter als den Infekt an sich finde ich ja eher, was Martin und ich so in Apotheken veranstalten. Ich weiß nicht, wie das kommt, aber Martin bekommt Hustensaft verkauft, der nur ein Drittel von dem kostet, was ich normalerweise bezahle – bei gleichem Wirkstoff. Dafür habe ich aber ein Päckchen Taschentücher und eine Probepackung Pastillen gegen Heiserkeit und Hustenreiz dazu bekommen.

Die Hauptsache ist sowieso, dass auch Martin bald wieder richtig gesund ist. Die kommenden Wochen werden uns durchaus ein bisschen was abverlangen: Umzug, und vorher gibt es natürlich noch einiges zu tun.

26. April 2010 in Küchenzeilen

7

Backe, backe… Vegane Zimtkekse.

Letzte Woche hatte Anna Geburtstag, was so ungefähr DIE Gelegenheit war, ihr die Kekse feierlich zu überreichen, die sie hier im Februar gewonnen hatte. Für mich persönlich sehr reizvoll bei der Geschichte: Anna lebt seit einiger Zeit vegan.

Für alle, die leider keine Kekse von mir bekommen haben, trotzdem aber gern welche essen möchten, gibt es hier jetzt das Rezept. (Vielleicht kommt es ja sogar jemandem ganz gelegen, der selbst vegane Freunde hat oder welche mit Lebensmittelallergien oder selbst ganz gerne mal auf tierische Produkte verzichtet oder, oder, oder…)

 
Das wird gebraucht: (für ca. 40 Kekse)

Zutaten Zimtkekse

Für den Teig:
250g Margarine
150g Zucker
450g Mehl
60g gemahlene Mandeln
1 Banane
Vanillearoma
1TL Backpulver
Kardamom

Für den Überzug:
Zucker
Zimt

 
So wird’s gemacht:

backen2

1. Margarine und Zucker in einer Schüssel miteinander verkneten. Mehl, Mandeln, Backpulver, Vanillearoma und Kardamom dazugeben (Aroma und Gewürze dosiere ich nach Gefühl).
2. Die Banane pürieren und ebenfalls mit in die Schüssel geben. (Dient als Ei-Ersatz: 1 Ei durch 1/2 Banane ersetzen. Die Banane schmeckt man zum Schluss nicht raus.)
3. Alles zu gründlich und gleichmäßig zu Teig kneten. Den dann in Frischhaltefolie wickeln und 30 bis 60min in den Kühlschrank legen.

4. Den Ofen auf 190°C vorheizen, ein Blech mit Backpapier auslegen.
5. Zucker und Zimt miteinander auf einem Teller vermischen. (Mischungsverhältnis ist wohl Geschmacksache.)
6. Vom Teig kleine Mengen abnehmen und daraus Kugeln mit 2,5 bis 3cm Durchmesser formen. Die Kugeln im Zucker-Zimt-Gemisch rollen, bis ihre Oberfläche vollständig bedeckt ist. Leicht platt drücken, die Oberseite eventuell noch mal ins Zucker-Zimt-Gemisch legen.
7. Die Kekse etwa 12 bis 15min backen lassen (je nach Bedarf oder wie man sie mag, eventuell auch mal zwischendurch nach ihnen sehen, ich habe ohne Umluft gebacken).

 

Veganer Zimtkeks

So sehen die Kekse dann aus. Ich fand sie etwas zu trocken, beim nächsten Mal werde ich wohl einen Teil der Mandeln durch Amaretto ersetzen. Anna meinte, dass sie trockene Kekse sowieso lieber mag und das daher ziemlich gut passt.
Vielleicht möchte Anna ja aber auch noch persönlich etwas über die Kekse schreiben.

(Super Gesprächsmoment auf Annas Geburtstagsfeier:
C: Kokospalme Klaus geht übrigens ein…
A: Er geht nicht ein. Er versucht, dich emotional zu erpressen.)

09. April 2010 in Arbeitstier

5

Hallo Sommersemester

Dienstag hat hier die Uni wieder begonnen: Französisch, Deutsch und Bildungswissenschaften stehen auf meinem Stundenplan, der ähnlich nett ausssieht wie der vom Wintersemester. Dazu noch Tai Sabaki Shotokan Karate (aha) und Taekwondo.

Am Dienstag ist die erste Vorlesung ausgefallen. Wahrscheinlich wäre ich aber aus Solidarität trotzdem hingegangen, Kommilitonin F. und ich hatten abgemacht, dass wir nach der Vorlesung unsere Anmeldungen für die Schulpraktischen Studien gemeinsam abgeben. So waren wir 2 Stunden früher im Büro als gedacht.
Etwas nervig an den SPS: Wir sollten eigentlich am 23.08. beginnen, das ist in Brandenburg aber der erste Schultag nach den Sommerferien und da wird mich wohl keine Schule mit Kusshand begrüßen. Theoretisch gibt es die Möglichkeit, das Praktikum auf 3 Wochen zu verkürzen, aber das muss alles noch abgeklärt werden. Zum Glück bleibt dafür auch noch genug Zeit.

Die ersten kleinen “Hausaufgaben” gibt es auch schon. Ein Text soll für Sprachpraxis übersetzt werden und im Dossier für das Lexikologie-Seminar warten auch schon 3 Texte auf mich.
Mein Referat für dieses Seminar muss ich erst am Ende des Semesters halten. Eigentlich hätte ich ganz gern das über Diatopie gehabt, nun ist es “Untersuchungen zur Synonymie”. Das ist auch recht interessant. Trotzdem werde ich immer etwas nölig, wenn ich nicht haben kann, was ich möchte… Bei Referaten, die ich gern gehalten hätte, stelle ich dann gern total blöde Fragen.

Ich habe im Gefühl, dass dieses Semester gut wird. Einfach weil es ein Sommersemester ist.

31. März 2010 in Herzsprung, L-eben

2

Manchmal tut er mir ein bisschen leid.

Was sicherlich schon die meisten wissen dürften: Vor etwa zwei Wochen ist Martin bei mir eingezogen, demnächst wird dann auch eine gemeinsame Wohnung gesucht.
Dass der Partner so die eine oder andere kleine Macke hat, weiß man nach fast 3 Jahren Beziehung eigentlich. Wie sich das dann aber ganz genau auf den Alltag auswirkt, merkt man wahrscheinlich aber wirklich erst, wenn es so weit ist.

Samstag stand mir der Kopf nach dem kompletten Körperpflegeprogramm, was schon mal so 2 Stunden dauern kann. Und wenn ich dann im Bad bin, bin ich eben im Bad. Vorher schließe ich aber die Wohnung von innen ab (Feuerschutztür, normalerweise kann die jeder von außen öffnen) und lasse den Schlüssel hängen, damit ich mich auch dran erinnere, wieder aufzuschließen.
Eigentlich war alles so geplant, dass ich fertig wäre, bevor Martin wieder zu Hause ist. Uneigentlich war bei ihm auf Arbeit aber so wenig los, dass er 2 Stunden früher gehen durfte. Die Wohnungstür konnte er dann natürlich nicht aufschließen, weil ja mein Schlüssel von innen steckte, und ich habe sein Klopfen unter der Dusche nicht gehört. Also musste er 15min im Treppenhaus warten.

Abends passiert es auch häufiger, dass Martin – wie jeder Mensch mit normalem Tagesrhythmus – ziemlich fertig ins Bett fällt. Leider bin ich beim Einschlafen meist keine große Hilfe.
Gestern fing ich gegen Mitternacht an, ihm vorzurechnen, wie viele Stunden man im Bachelorstudium unter welchen Umständen wöchentlich für die Uni opfern sollte.

Manchmal tut er mir schon etwas leid.

12. März 2010 in Les Médias

7

Muss man gelesen haben!

Es gibt diese StudiVZ-Gruppe „‘Eigentlich alles‘ ist kein Musikgeschmack!“ , in der Gruppenbeschreibung werden unter anderem die Charts verteufelt. In einem anderen Bereich von Kunst / Kultur scheint aber erst genau das Gegenteil von gutem Geschmack zu zeugen: Literatur und das Phänomen der Bestsellerliste.

Immer wieder geistern durch die Blogs lesebegeisterter Menschen Listen mit „den 100 beliebtesten Büchern Deutschlands / des 20. Jahrhunderts / der letzten 5 Jahre / von dort, wo der Pfeffer wächst“, bei denen dann fett hervorgehoben wird, welche Bücher man bereits gelesen hat.
Ich geb’s zu: rein Interesse halber überfliege ich diese Listen gerne mal. Pi mal Daumen fällt das Ergebnis dabei vermeintlich erschreckend aus. 2 Bücher gelesen, 3 in der Kinderausgabe gelesen, 4 angefangen und kurz vorm sicheren Tod durch Langeweile dann doch wieder beiseitegelegt und mindestens 20 der Bücher kenne ich vom Titel her mal so überhaupt nicht.

Jemand, dessen Bücher ich nicht unbedingt mag, ist Goethe. Hört, hört. Das aus dem Mund einer Germanistik-Studentin. Nein, ich schäme mich jetzt nicht. Ich erkenne durchaus an, was er für die deutsche Literatur geleistet hat, aber das ist für mich noch lange kein Grund, seine Bücher zu lesen.
Von Argumenten wie „Aber er war einer der großen Denker und Dichter unseres Landes!“ lasse ich mich an dieser Stelle nicht überzeugen. Schön für ihn, dass er heute so gesehen wird, aber das beeinflusst doch mich als Leser noch lange nicht? Nicht jeder, der irgendwann mal in der Schule dazu gezwungen wurde, „Nathan der Weise“ (gut, das ist von Lessing, aber es geht um das Prinzip) zu lesen, bekommt deswegen später automatisch den Friedensnobelpreis. Hmmm? Und nicht jeder, der viel Brecht liest, revolutioniert anschließend das Theater. Dafür haben sich aber die jungen Herren nach der Erscheinung von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ reihenweise selbst umgebracht. Klasse!

Mal abgesehen von der Schullektüre, an der ich des Abiturdurchschnitts wegen nicht vorbeigekommen bin, habe ich bisher nur ein einziges Buch gelesen, weil es alle gelesen haben. „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche. Vermutlich wird es auch das letzte Buch bleiben, das ich aus genau diesem Grund gelesen habe.
Irgendwann bekommt das Buch sicherlich auch mal einen eigenen Artikel (2 Jahre nach dem Hype, wie passend), an dieser Stelle nur so viel: Geht gar nicht klar.

So, wie bereits jede 16-Jährige sagen kann, dass sie ausschließlich Dark Wave hört und bevorzugt CDs aus dieser Richtung kauft, sollte eigentlich auch jeder Mensch sagen können, was für Bücher ihm besonders gefallen und sich beim Kauf von Bestsellerlisten lösen.
Wahrscheinlich mag noch nicht mal die Hälfte von euch die Bücher, die ich gern lese. Das ist in Ordnung. Vermutlich mag ich auch nur bei der Hälfte von euch die Musik, die ihr jeden Tag hört. Über Geschmack lässt sich eben streiten.

Das Bildende an Literatur sollte letztendlich sowieso nicht nur der Inhalt sein, sondern eben auch die bloße Tätigkeit des Lesens.

(Wahrscheinlich ist das hier so ein Artikel, den ich selbst toll finde, zu dem aber keine Kommentare kommen.)

05. März 2010 in Arbeitstier

5

Hausarbeit, Teil 3

Danke für die rege Beteiligung am Gewinnspiel. Das Lost hat entschieden: Die Kekse gehen an Anna. Normalerweise würde ich die Kekse per Post verschicken, aber wenn ich mir das mal so ganz genau überlege… Du weißt, wo mein Haus wohnt! Und alternativ wissen wir auch, wo hier einige Parks sind. Außer natürlich du bestehst auf ein Päckchen.
Die Palme hat übrigens tatsächlich ein Namen, aber nicht Jean-Luc sondern Klaus. Bei mir hat ja alles einen Namen.

Die Hausarbeit hat es rechtzeitig zu meiner Dozentin ins Fach geschafft. Etwa 4750 Wörter, die hoffentlich rüberbringen, was ich seit Oktober an Wissen und Erkenntnissen gewonnen habe. Ehrlich: Ich empfinde es als persönliche Bereicherung, dieses Seminar besucht zu haben.
Gegen 17 Uhr war übrigens nicht nur die Hausarbeit fertig, ich war es auch – körperlich und geistig. Ich habe es nicht mal mehr geschafft, meine Eigenständigkeitserklärung auf Anhieb zu Unterschreiben. Fehler bei Datum und Name.

Erkenntnisse, die ich zwar durch die Hausarbeit gewonnen habe, die aber nichts mit dem Fach zu tun haben:

A) Schlaf ist kein adäquater Koffeinersatz.
Ehrlich nicht. Schlafen ist total ineffizient. Ganz davon abgesehen, dass man mit genügend Koffein im Kreislauf nur noch 4 bis 5 Stunden pro Nacht schlafen muss, verbringt man die Wachzeit auch noch im ultrahibbeligen Duracell-Modus. Es dauert dann zwar etwas, bis man einen klaren Gedanken gefasst hat, aber wenn man ihn erstmal hat, kann man plötzlich schreiben und schreiben und schreiben.

B) Koffein ist kein adäquater Schlafersatz.
Glaubt mir: Ihr wollt nicht wissen, wie ich heute Morgen aussah. Hautfarbe irgendwo zwischen Feta und Edamer, außer unter den Augen, da trug ich die Schatten großer Taten. Heute werde ich so gegen 21 Uhr ins Bett gehen, eine DVD einlegen und dann erstmal so um die 12h durchschlafen.

C) Es ist wichtig, Freunde zu haben.
Kommilitonin A. und ich waren quasi Telefonseelsorger für einander und das baut wirklich auf. Man fühlt sich plötzlich nicht mehr ganz so in diesem teilweise echt abgedrehten Stoff verloren. Und man kann auch mal lachen. Zum Beispiel über komische Krabben.

D) Es ist ganz normal, bis 5min vor der Angst zu arbeiten.
Selbst wenn ich die Hausarbeit bereits vor einer Woche oder sogar noch früher fertiggestellt hätte, hätte es wahrscheinlich immer noch so viele Kleinigkeiten gegeben, die ich nicht 100% optimal finde, und ich hätte ewig daran herumgebastelt. Man weiß einfach so viel über sein kleines Thema, dass 15 Seiten echt verdammt wenig sind. Zum Vergleich: In den meisten Fachbüchern hat allein das Aufstellen einer Arbeitsdefintion 30-50 Seiten verschlungen.

Ich werde meine Hausarbeit jetzt vom Desktop in einen Dateiordner verschieben. Ich bin zwar froh und auch ein bisschen stolz darauf, aber ich habe dazu eine ziemliche Hassliebe aufgebaut, ich will das Ding jetzt einfach nicht mehr sehen. Es reicht einfach.

Over. Out.

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